Die Evolution der Tonträger haben die meisten von uns am eigenen Leib miterlebt: Im elterlichen Wohnzimmerschrank konnte man große runde Relikte einer analogen Vorzeit bewundern. Ab und an wurden sie abgespielt, doch die altmodische Musik vermochte mein Interesse nicht zu wecken. Dies galt schon eher den Kassetten, mit denen ich meine Lieblingslieder aus dem Radio aufnahm. Nachteil waren die Nachmittage, die man vor dem Radiorekorder verbrachte, um ein entsprechendes “Mixtape” zusammenzustellen – Moderationsfetzen und unbeabsichtigte Senderwechsel inklusive. Die neu aufkommenden CDs waren besonders für “gekaufte” Musik sehr angenehm, da man sich nicht mehr um Bandsalat oder abgenudelte Tapes kümmern musste. Die persönlich erstellten Mixe machte man aber immer noch auf Kassette – nun nahm man aber nicht nur vom Radio, sondern auch direkt von der CD auf, was dem Ganzen schon ein etwas professionelleres Gehabe gab. Die Minidiscs wollten in genau diese Nische stoßen und die Vorteile der frei erstellbaren Kassetten mit der Qualität einer CD zu verbinden. Den Durchbruch schaffte die Minidisc allerdings nie. Viel zu bald schon wurde die Musik digital. Reduziert auf die vom menschlichen Ohr hörbaren Frequenzen verbreitete sich das MP3-Format wie ein Lauffeuer. Bald schon gab es die ersten Tauschbörsen. Zur etwa selben Zeit waren CD-Brenner für die Massen erschwinglich geworden und es brach ein regelrechtes “Musikfieber” aus. Man hörte vor, lud runter, brannte, verschenkte… Selbstverständlich wurden weiterhin vor allem CDs verkauft, doch die Musikkonzerne klagten über existenzbedrohende Gewinneinbußen. Schnell versuchte man zu handeln, kaufte Tauschbörsen, um das MP3-Geschäft zu kommerzialisieren, schickte Lobbyisten, um die staatlichen Urhebergesetze zu verschärfen und so “Musikpiraten” abzuschrecken.
Heute kommen neue Formen des “Listenings” auf: Bei Last.fm gibt man seinen Lieblingskünstler oder eine Musikrichtung ein und kann sich an fast durchgehend “passender” Musik erfreuen. Will man allerdings ein ganz bestimmtes Lied hören, wird man mit 30 Vorhörsekunden abgespeist – natürlich kann man den gesamten Track käuflich erwerben. Jamendo hat einen ganz anderen Ansatz: Hier veröffentlichen Künstler ihre Musik – selbst – ohne Plattenfirma. Dieser Trend wird immer stärker und wird die Muiker “back to the roots” und wieder zu dem machen, was sie sind: Künstler. Kreative Schreiber. Komponisten. Nicht nur Sexbomben und Entertainer.
Im Ergebnis wird die Musik wohl günstiger und die Musiker wieder “greifbarer” werden. Die Plattenindustrie wird an Einfluss verlieren, nicht zuletzt durch die um sich greifende Indie-Welle. MP3s werden den Hauptteil des Umsatzes ausmachen; CDs werden immer mehr an Einfluss verlieren.
Um so interessanter ist unter diesem Aspekt, dass Schallplatten wieder stark nachgefragt werden und Bands sowie Konsumenten ihnen den Vorzug geben. Die Indie-Band “The Society of Rockets” möchte beispielsweise ihr nächstes Album nur als Vinyl und MP3 veröffentlichen. Damit treffen sie 100% den aktuellen Trend! Einige Plattenfirmen geben jedem Käufer eines Vinyl einen Code dazu, mit dem er sich die betreffenden Songs als MP3-Dateien herunterladen kann. Ensprechend des aktuellen “Vinyl-Hype” scheint das auch der “way to go” zu sein.
“For many of us, and certainly for many of our artists, the vinyl is the true version of the release,” so Patrick Amory von Matador. “The size and presence of the artwork, the division into sides, the better sound quality, above all the involvement and work the listener has to put in, all make it the format of choice for people who really care about music.” via
Große Labels sind bisher noch nicht auf den Vinyl-Zug aufgesprungen – was sicher nicht das erste Mal ist, dass die Musikindustrie einen Trend verschläft.
Mittlerweile ziehen nicht mehr nur DJs, sondern allgemein viele “private” Musikliebhaber Schallplatten den CDs vor. Als Gründe nennen sie eine andere Qualität der Musik. Die Töne seien wärmer, der Klang voller. Eine Platte vor sich auf dem Plattenteller zu sehen vermittelt eine Nähe zur Musik. Die großen Plattencover eignen sich auch als Design-Element in den eigenen vier Wänden. Viele “Audiophile” bevorzugen Platten für zu Hause und MP3s für unterwegs.
Dem Trend entsprechend mussten einige Plattenpressfabriken ihre Produktion um bis zu 25% steigern, um der größeren Nachfrage gerecht zu werden.
Aussterben werden die CDs sicher nicht. Schon als günstiges Speichermedium, sei es von WAV- oder MP3-Dateien sind sie unentbehrlich. In Zukunft werden sich allerdings mehr und mehr Musikkonsumenten für MP3s, aber auch Vinyls entscheiden – vor allem wenn die schöne Lösung der MP3-Codes bei gekauften Schallplatten Schule macht… Vielleicht liegt ja gerade darin die letzte Rettung der jetzigen Form einer Musikindustrie?
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Vinyls sind großartig, aber leider auch teuer und für mich als Schüler nur in den seltendsten Fällen erschwinglich, sodass ich größtenteils auf mp3′s angewiesen bin.
Einen weiteren Artikel zum Thema habe ich in der ZEIT gefunden:
http://www.zeit.de/online/2007/13/cd-absatzeinbruch-kommentar?page=1
Fazit: Goodbye CD…
Für mich ist es eher eine Evolution der Musik als eine der Tonträger:
Plattenauflegen
hat sich zu einer Kunst entwickelt,
nicht das Medium sondern das wie
oder die Art und Weise die Musik
durch Übergänge, angeschubste oder abgebremste und zerstückelte Töne einer Stelle auf dem Vinyl zu gestalten lässt bestimmte Plattenspieler zu einem Werkzeug bzw. zu einem Instrument werden und der Bediener kann nicht nur durch die Auswahl bestimmter Stücke zum tanzen oder zuhören anregen sondern mit viel Geschick auch eigene Musik kreiren…
“the backbone of hip hop is the dj”
Positive Nebenwirkung ist vielleicht das Schallplatten nicht aussterben müssen, wenn die Leute sich nicht von allenmöglichem Effektgehasche und verräterischem Umgang mit geistigem Eigentum…
aber das führt hier jetzt zu weit.