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Ein Rückblick?

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Die Sonne scheint grell und hartnäckig durch den Spalt der Gardinen in mein Gesicht. Ich dreh mich noch einmal um. Doch die morgendliche Hitze treibt mich aus dem Bett. Ich schau auf den Display des Weckers… Samstag, 21. Dezember 2057 – es ist viertel vor neun. Ich zieh mir schnell meine Shorts und ein T-Shirt über, mache noch schnell ein paar Dehnübungen und schlüpfe in meine Laufschuhe.

Es ist heiß. Vielleicht schon ein bisschen zu heiß, um meine übliche Runde durch den Wald zu laufen. Schon nach wenigen hundert Metern rinnt der Schweiß in Strömen meinen Rücken hinunter. Auf dem Weg zum Wäldchen kommen mir nur ein paar Elektro-Autos entgegen. Die meisten Menschen verlassen ihre Häuser lediglich in den Abendstunden oder ganz früh. Deswegen wurde vergangenes Jahr beschlossen, die Arbeitszeiten der meisten Berufsbranchen in die Nacht zu verlegen. Der Stromverbrauch der Klimaanlagen stieg ins Unvorstellbare, so dass es aus der Europäischen CO2-Aufsichtsbehörde ständig Abmahnungen hagelte. Mit dem Steigen der Kerosinsteuer verblassen auch die Urlaube in meinem Kopf. Nur der Fotoordner auf meinem Laptop erinnert noch an den letzten Südfrankreichtrip vor 10 Jahren. Mittlerweile ist Fliegen ein Privileg der Superreichen geworden. Aber das Meer ist ja nicht so weit. Kurz hinter Bremen.

Ich denke an das Gespräch mit meiner Großmutter gestern abend. Noch vor 50 Jahren haben hunderte Wissenschaftler vor den drohenden Gefahren eines Klimawandels gewarnt. Zu diesem Zeitpunkt hätten angeblich noch die richtigen Weichen gestellt werden können. Ein völliges Umdenken in der Energie-, Umwelt und Verkehrspolitik und ein Verantwortungsbewusstsein den kommenden Generationen gegenüber hätten noch die größten Probleme verhindern können. Im sogenannten UNO-Klimabericht wurden schon damals große Hitze, Hunger- und Dürrekatastrophen vorhergesagt, wenn sich nicht etwas drastisch am CO2-Ausstoß ändert. Passiert ist offensichtlich nicht genug. Der Wirtschaft ging es damals besser denn je. Durch den anschließenden Öko-Boom mit all seinen ungeahnten Möglichkeiten und dem schlechten Gewissen in den Köpfen der Menschen befand sich Deutschland wieder auf Erfolgskurs. Doch Unangenehmes wird schnell verdrängt, vor allem wenn es am eigenen Luxus kratzt. Weder auf Autos, noch auf Billigflüge konnte verzichtet werden. Die Veränderungen kamen schleichend. Ab und zu ein Orkan in Norddeutschland, dann wieder Überschwemmungen im Süden und natürlich die Temperaturen, die sich langsam aber sicher nach oben bewegten.

Vergleichbar ist diese Veränderung des Klimas wahrscheinlich mit einem Frosch, der in heißes Wasser geworfen wird und sofort wieder raushüpft. Erwärmt man aber das Wasser, in dem der Frosch schwimmt, nach und nach, stirbt er nach einer gewissen Zeit. Und so wie der Frosch, haben die Menschen erst reagiert als es längst zu spät war.
Ich gehe die letzten Schritten zu meiner Wohnung langsamer. Mittlerweile ist es in der Sonne unerträglich. Ich schaue auf die Uhr. Es ist gerade 10. Ich muß noch die letzten Weihnachtsgeschenke besorgen.

Discussion

One comment for “Ein Rückblick?”

  1. Laura, was für eine schöne Kurzgeschichte – und so ein schönes “Hörbuch” gleich dazu! :-)

    Posted by Rob | January 8, 2008, 3:48 am

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