Mittlerweile sind sich Fachleute einig, dass es sich bei der weltweiten Nutzung des Internets um eine Kommunikationsrevolution handelt, die ihrer Bedeutung mindestens der Erfindung des Buchdrucks gleichkommt.
Nach der Wikipedia handelt es sich bei der Internetkultur um eine “weltweite Subkultur im soziologischen Sinne”. Mit der massenhaften Nutzung des Internets stellt sich jedoch die Frage, wie lange man diese Netzkultur noch als Subkultur bezeichnen kann. Mit dem Begriff der Subkultur („Unterkultur“) wird eine bestimmte Untergruppe der sozialen Akteure einer Kultur beschrieben wird, die sich im Hinblick auf zentrale Normen deutlich von der „herrschenden“ Kultur abgrenzen. Die Bezeichnung Subkultur trifft vor allem auf Gruppen zu, die nicht nur im jeweiligen Feld arbeiten, sondern auch ihr Privatleben zum größten Teil in ihrer jeweiligen Gruppe verbringen - wie beispielsweise Seeleute, Kleriker, Schausteller oder auch Diplomaten. Für den harten Kern der Internetnutzer, die das World Wide Web schon zu Beginn der Internetära für sich entdeckten, aber auch für technikaffine, die einen Großteil ihres Tages online verbringen, trifft eine solche Kategorisierung also möglicherweise zu.
Heutzutage ist das Internet das zentrale Medium für die Recherche und Lektüre, für private Kommunikation usw. Insofern hat die “Mehrheitsgesellschaft” längst Einzug in die beschriebene Subkultur gefunden . Die Wikipedia beschreibt die Netzkultur weiterhin folgendermaßen: “Die Netzkultur ist eine Kultur, die erst im Zusammenhang mit dem Internet entstehen konnte. Das Internet bietet einen Kommunikationsraum, in dem Kultur entstehen kann. Durch die interaktiven Strukturmerkmale des Internets können Individuen und Gruppen miteinander kommunizieren und so Informationen austauschen, die zur Entwicklung von Identität beitragen. Das Internet bildet als Raum eine Lebenswelt für die Netzkultur. Gerade die Techniken und Möglichkeiten von Web 2.0-Anwendungen haben zur Ausbreitung der Netzkultur beigetragen.”
Kann man das Internet jedoch wirklich als Raum für eine eigene Kultur bezeichnen? Zugegeben, es hat beispielsweise eigene Verhaltensregeln, die sogenannte Netiquette. Sie haben zwar keinerlei rechtliche Relevanz, ihre Einhaltung ist allerdings die Grundlage einer sinnvollen Kommunikation und der “Bewegung” im virtuellen Raum. Auch gibt es einen Netzjargon, der in Newsgroups, Chaträumen, Internetforen usw. gebräuchlich ist. “Insider der Netzkultur bezeichnen sich selbst als Regulars oder Netizen, im Unterschied zum Neuling (manchmal ‘newbie’ oder ‘n00b’ genannt) und erst recht zum ‘normalen Menschen’.”
Demzufolge gäbe es also zum einen die “Insider der Netzkultur”, also die Subkultur an sich. Weiter gäbe es dann noch die “Einsteiger in die Netzkultur” und darüber hinaus den “normalen Menschen”. Entspricht diese Entscheidung wirklich der Realität? Besteht die Netzkultur nicht aus allen Internetnutzern?
Man sollte differenzieren: Nach der Definition der Wikipedia handelt es sich bei der Netzkultur also um eine exklusive ‘Subkultur‘ von internetaffinen Menschen, die das Internet als ihr Hobby begreifen. Auf der anderen Seite steht die Masse von Menschen, die das Internet für Arbeit, Schule, Studium ganz selbstverständlich nutzen - auch für diese Menschen ist das Internet unentbehrlich geworden. Eine Trennlinie zwischen den ‘Insidern des Internet’ im Sinne der Wikipedia-Definition und alltäglichen Nutzern liegt womöglich im Zweck, den das Internet für den jeweiligen Anwender bietet. Für die ‘nerds‘ ist das Internet wohl Selbstzweck, für den ‘Ottonormalverbraucher’ eher Kommunikations-, Recherche- oder auch Vernetzungsmittel. Die Übergänge dazu sind allerdings fließend.
Auffällig im Wikipedia-Artikel über die Netzkultur ist der, wohl allgemein anerkannte, Satz: “Neben der Netzwelt gibt es auch noch das reale Leben, Real Life genannt, das sich außerhalb des Netzes und abseits des Computers abspielt.” Dies mag heute noch so sein. In wenigen Jahren schon werden sich die beiden ‘Welten’ vermischen. Ist Internettelefonie beispielsweise Real Life oder Cyberspace? Wie ist es mit sozialen Netzwerken? Online-Shopping? Es ist bereits abzusehen, dass das Internet in Zukunft auf alle erdenklichen Lebensbereiche ausgedehnt wird. Die Arbeit wird von zu Hause per Video-Konferenz wie am Arbeitsplatz erledigt, der Einkaufszettel wird alle drei Tage automatisch geliefert, Tourismus geschieht virtuell…
Geht also unsere Zivilisation gerade in der Netzkultur auf?
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