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Articles & Essays

Zeitreisen

“Das 21. Jahrhundert wird das Jahrhundert der Zeitreisen sein.” Dieser Satz stammt nicht etwa von einem realitätsfremden Science-Fiction-Freak, sondern von Ronald L. Mallett, Professor für theoretische Physik an der University of Connecticut. Nachdem er im vergangenen Jahr das Buch “Time Traveler: A Scientist’s Personal Mission to Make Time Travel a Reality” veröffentlicht hatte, wurde er von einem Zeit-Redakteur interviewt:

»Ich war noch in Pyjama und Morgenrock, da schoss es mir in den Sinn: Laut Einstein kann die Raumzeit nicht nur durch Masse, sondern ebenfalls durch Energie gekrümmt werden. Demnach müsste es möglich sein, auch mit Hilfe von zirkulierendem Licht in der Zeit zu reisen.«

Aus der Industrie kannte Mallett zirkulierendes Licht in Form von Ringlasern. Er begann zu rechnen, fast 100 Seiten lang. Das Ergebnis war eindeutig: Ein Ringlaser kann einen Wirbel in der Raumzeit erzeugen – ähnlich einem Löffel, mit dem man Kaffee in einer Tasse umrührt. »Sie können sich diesen Wirbel wie einen lichtdurchfluteten spiralförmigen Tunnel vorstellen«, sagt Mallett. »In ihm verläuft die Zeit nicht linear, sondern im Kreis. Wenn Sie die Spirale hinunterlaufen, gelangen Sie in die Vergangenheit.«

Wenn Mallett genügend Forschungsgelder beisammen hat – etwa 250000 Dollar bräuchte er –, will er einen rund anderthalb Meter hohen, hauchdünnen Turm aus Licht bauen, bei dem die Wände eines jeden Stockwerkes aus vier Laserstrahlen bestehen.

Als Erstes würde Mallett ein Neutron auf den Weg schicken. Wenn es im zirkulierenden Zylinder seine Richtung ändert, wäre dies der Beweis, dass sich der Raum wirklich dreht. »Anschließend müsste man versuchen, den Effekt derart zu verstärken, dass auch die Zeit zu einer geschlossenen Schleife verzerrt wird«, sagt Mallett. Genau darin liegt die Krux. Seit er im vergangenen Jahr seine Ideen publiziert hat, melden sich Kritiker: Die Energie der derzeit vorhandenen Laser reiche nie und nimmer aus, um die Zeit zu zwirbeln. Mallett aber gibt sich gelassen. Diese technischen Schwierigkeiten ließen sich irgendwann lösen. »Mathematisch gesehen, konnte noch niemand meine Theorie, die auf Einsteins Gleichungen beruht, widerlegen.«

Der Trip in die Vergangenheit wirft allerdings auch philosophische Fragen auf. Wenn es tatsächlich gelänge, könnte man die Vergangenheit dann auch wirklich verändern? »Bald werden wir es wissen«, sagt Mallett. »Ich bin sicher, dass dieses Jahrhundert das Jahrhundert der Zeitreisen sein wird.«

Eines ist allerdings hinzuzufügen:

»Die Zeitschleifen werden erst dann gebildet, wenn die Maschine angeworfen wird. Nehmen wir an, ich schalte sie jetzt ein und lasse sie zehn Jahre lang laufen. Wenn ich dann in die Zeitmaschine einsteige, kann ich zwar in die Vergangenheit reisen – aber nur zurück bis zum heutigen Tag.«

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