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Reviews & Opinions

Die Chart-Show

RTL strahlte am vergangenen Samstag (26.06.09) eine neue Folge der “großen Chart-Show” aus. Diesmal ging es um die 50 meistgespielten Radiotitel der letzten Jahre. Das Thema bietet als Musiksendung einen hohen Unterhaltungswert. Die Art der Umsetzung verdarb mir allerdings schnell den Spaß an den musikalischen Evergreens.

Das Konzept von Shows dieser Art ist einfach: Ein massentaugliches Thema, ein Moderator mit Gästen und vor allem viele in vorproduzierten Clips zur Sprache kommende “B-Promis”. Natürlich darf in den Clips nicht mit albernen Effekten gegeizt werden und die Kommentare zu den einzelnen Spots wirken nicht informativ, sondern trivial.

Bei der gestrigen Chart-Show standen dem Moderator Oliver Geißen Sabrina Setlur, Kaya Yanar und Thomas Stein zur Seite. Kaya Yanar und Sabrina Setlur waren wie gewohnt sympathisch, auch wenn schnell auffiel, dass sie der Show außer Ihrer Anwesenheit nicht viel beisteuern konnten. Dies war allerdings nicht die Verfehlung der beiden Gäste, sondern lag wohl eher am Konzept der Show, das nun einmal Gäste vorsah. Die viel zu langen Zeiten zwischen den Clips wurden gnädig mit einigen tatsächlich interessanten Infos über die Künstler gefüllt, dann aber beispielsweise amateurhaft mit abgelutschten Versprechern von Radiomoderatoren, die schon seit Jahren im Internet kursieren, angereichert. Positiv fand ich, dass die Frontmänner der geladenen Bands zu Wort kamen. Die Fragen während der kurzen Interviews waren allerdings enttäuschend – so ließ Geißen den irischen Frontmann von Raemonn irischen von schottischem Whisky unterscheiden (??!) Für Studenten und Praktikanten wäre die Produktion einer solchen Sendung eine reife Leistung – mit den Mitteln einer professionellen Produktionsfirma ist aber doch sicherlich mehr möglich? Im ersten Moment läßt sich das Defizit nur schwer benennen – vielleicht lags am Studio? Licht?  Schnitt? Wollte ich dem Leser nun mein “Gefühl” vermitteln, was mit sachlichen Beschreibungen schwierig ist, würde ich sagen: “Schaut Euch die Homepage der Produktionsfirma an, so wirkte die ganze Show.”

Die verantwortliche Produktionsgesellschaft I & U, deren alleiniger Gesellschafter übrigens Günther Jauch ist, produziert auch sternTV und Hallo Taxi – als kurzweilige Formate durchaus angenehm. Das Hauptgeschäft scheinen allerdings Shows wie Quiz der Tiere, 70er-Show, 80er-Show, 90er-Show, die DDR-Show, die Grips-Show, die Zwillings-Show, die Next-Uri-Geller-Show etc. zu bilden. Die Marktanteile dieser Produktionen liegen regelmäßig bei über 15 Prozent. Der Erfolg scheint den Produktionen Recht zu geben, es scheint das alte Spiel von Qualität und Quantität zu sein. RTL ist nun mal nicht ARTE. Leider.

Foto veröffentlicht von kunstlab unter einer creative-commons-Lizenz

Discussion

One comment for “Die Chart-Show”

  1. Leider ist schlechtes Fernsehen inzwischen keine Überraschung mehr. Die Idee der Chartshow ist grundsätzlich keine schlechte, wäre sie besser umgesetzt. So sollten die Songs ohne Kommentare und Unterbrechungen gespielt werden…
    Mich interessiert es nämlich eher weniger, was irgendein Ex-B-Promi zu den Top Ten der 80er Jahre zu sagen hat.
    Das Mitsingen und Mittanzen ist wohl auch eher peinlich als lustig.
    Die Ausrede der TV-Sender “dass das Publikum eben so etwas sehen wolle” kann ich nur schwer glauben.

    Posted by Enjoya | August 12, 2009, 1:07 pm

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