Rassismus äußert sich nicht unbedingt in Gewalt oder Diskriminierung. Wie wir gesehen haben deutet Rassismus die vermeintliche Rasse eines Menschen als bestimmenden Faktor seiner Fähigkeiten und Eigenschaften. Um uns vom alltäglichen Rassismus freizumachen müssen wir versuchen, absolut neutral zu sein. Vorurteile und Mutmaßungen müssen wir als solche erkennen und abwehren. Wir müssen aufhören, vom Aussehen eines Menschen auf seine Nationalität zu schließen. Wir müssen uns gemeinsam dem ganz normalen Alltag stellen und den Gleichheitsgrundsatz nicht nur als Grundgesetz akzeptieren, sondern als absolute Grundlage menschlichen Zusammenlebens verinnerlichen.
Achtet man in seinem Umfeld auf die längst überholten Vorstellungen von verschiedenen “Menschenrassen”, wird man sicherlich schnell fündig. Möchte man jemanden auf seine Verfehlungen hinweisen, sollte man allerdings darauf achten, dass Menschen mit dem Vorwurf des Rassismus sehr empfindlich umgehen. “Ich hab vielleicht einen politisch unkorrekten Witz gemacht, aber ich bin doch kein Rassist! Du kennst mich doch, wir sind seit Jahren gut befreundet…” und so weiter und so fort. Leute fühlen sich bei diesem Thema widersprüchlicherweise schnell angegriffen und sehen sich dann selbst als Opfer, ohne erkennen zu wollen, dass sie ja eigentlich gerade anderen Menschen Unrecht getan haben. “Jetzt sei doch nicht so empfindlich…” hört man dann oft, oder “Man darf ja hier nichts mehr sagen.” Viele versuchen auch, die entstehende Diskussion auf vermeintlich wissenschaftliches Terrain zu ziehen und sagen in belehrendem Ton: “Neger kommt vom lateinischen “nigra” und heißt nichts anderes als “schwarz”. In Amerika ist das vielleicht ein Schimpfwort, aber in Deutschland ist das eine völlig normale Umschreibung….” FALSCH! Dieses Wort ist eine Beleidigung und strafrechtlich sanktionierbar. Es ist weder lustig, noch cool und weder der hilflose Verweis auf Rapmusik und Gangsterfilme rechtfertigt eine solche Entgleisung.
Wie begegnet man also Leuten, die rassistische Dinge sagen oder tun? Man sollte vermeiden, ihnen generell “Rassismus” zu unterstellen, sondern man sollte sie darauf hinweisen, dass ihre konkrete Aussage oder Handlung rassistisch war. Auf dieser Ebene kann man gut argumentieren und dem Gegenüber wird die eigene Verfehlung schnell bewußt. Wird man jedoch emotional und bezeichnet sein Gegenüber als Rassisten, so kann man schnell ins Hintertreffen geraten: Die Person wird selbst die Opferrolle einnehmen, viele Argumente gegen den Vorwurf des Rassismus finden und den eigentlichen Stein des Anstoßes schnell verharmlosen und in den großen Kontext der eigenen Toleranz einbinden.
Sehr passend ist in diesem Kontext der Vergleich gegen Ende des Videos: “Wenn jemnand meinen Geldbeutel stiehlt, werde ich ihm nicht hinterherrennen, um festzustellen, ob er sich tief in seinem Herzen als Dieb fühlt – ich werde ihm hinterherrennen, um meinen Geldbeutel zurückzubekommen. Es ist mir egal, WIE er generell ist oder als was er angesehen wird - doch er muss Verantwortung für seine Taten übernehemen. I don’t care about who you are, I care about what you did!”
Titelbild veröffentlicht von yatta unter einer Creative-Commons-Lizenz.
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