Dieses Foto wurde im Sommer 2010 in Berlin aufgenommen und schien für diesen Beitrag sehr passend.

Deutschland ist groß. Mit seinen 82 Millionen Einwohnern ist es das größte Land der Europäischen Union. Die demografischen Probleme wie die fortschreitende Alterung der Gesellschaft, negatives Bevölkerungswachstum usw. sind wohlbekannt.  Dazu kommt, dass die Abwanderung von deutschen Fachkräften größer ist, als die Zahl der “Heimkehrenden”.

Österreich ist von diesen Problemen scheinbar nicht so stark betroffen. Laut Informationen von Statistik Austria hat Österreich eine durch Zuwanderung wachsende Bevölkerung von derzeit 8,3 Millionen Menschen. Die mit Abstand größte Zwanderungsgruppe bilden die Deutschen. Interessanterweise werden dadurch in einigen Österreichern xenophobische Gefühle geweckt. “Deutsche machen Probleme” heißt es in einer Diskussion im ORF-Forum. Als größtes Problem scheint die “Überfremdung durch den anderen Akzent” angesehen zu werden. In einem weiteren Beitrag heißt es: “Die Schweiz stand derselben Flut von Deutschen gegenüber. Ihre Antwort war Ausgrenzung. Ausgrenzung ist was Furchtbares. Aber wenn es um den Fortbestand der eigenen Kultur geht? Heiligt dann der Zweck die Mittel?

Dieses Gedankengut ist nicht überraschend, dennoch sehr bedauerlich. Es zeugt von einer immer noch vergifteten Atmosphäre, die falscher Nationalismus weiterhin schürt. In Europa sind wir dabei, alte und falsche Strukturen durch Toleranz und Einigkeit zu ersetzen. Wenn wir die politische Integration weiter vorantreiben, kann die Europäische Union vielleicht der ganzen Welt Modell stehen. Dabei muss aber ein jeder anpacken – beginnend mit sich selbst. Man sollte die eigene Einstellung überprüfen und dabei ehrlich zu sich selbst sein – nicht egoistisch, sondern tolerant; weg von nationalem Denken, hin zu menschlichem.

Sicherlich haben immer noch viele Menschen Angst vor Veränderung – besonders, wenn sie neuen Dingen scheinbar machtlos gegenüberstehen. Allerdings sind Regionen und Gesellschaften immer schon stetigen Veränderungen ausgesetzt gewesen. Unser aller Unheil war der im vorletzten Jahrhundert aufkommende und im letzten Jahrhundert pervertierte Nationalismus. Sollten die Menschen an einer alten national-staatlichen Auffassung der Welt festhalten – was bringt uns dann die europäische Idee? Wieviel kleiner wäre dieses Ideal, wieviel geringer dessen Möglichkeiten?

Die Diversität der Kulturen besteht nur, weil sie ständigen Veränderungen unterworfen waren. Es ist völlig falsch, diese Vorgänge zu verhindern, indem man versucht, eine Kultur in einem bestimmten Stadium zu konservieren. Deutsche Kultur beispielsweise war nie statisch oder fixiert, sondern sie ist vergleichbar mit Landschaften, die man vom Zug aus betrachtet – sie verändert sich ständig. Den ganzen Zug nun anzuhalten, nur um selbst in einer bestimmten Landschaft zu verweilen, in der man sich gerade befindet, ist absurd und sinnlos.

In Deutschland gibt es relativ viel Zuwanderung – aber noch nicht genug. Zumindest, um ein Weiterbestehen des Rentensystems zu finanzieren. Integration muss einen viel wichtigeren Standpunkt einnehmen, denn sie ist es einzig und allein, die ein Fortbestehen alles vermeintlich Deutschen überhaupt ermöglicht – selbstverständlich mit einigen Veränderungen, doch genau das ist doch der Lauf der Dinge. Das Prinzip unserer Welt.

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